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Seele, Geist und Häppchen - Wo die wilden Gefühle wohnen

Aktualisiert: 4. Mai 2023

Alle Gefühle haben ihren Ort im Körper eines Menschen. Man kann tatsächlich mit Wärmekameras genau sehen, wo die Gefühle zu finden sind, welches Gefühl sich auf welche Weise im Körper manifestiert. Emotionen sind immer in Bewegung. Emotion bedeutet wörtlich übersetzt: etwas, was aus einem sich heraus bewegt. Also Emotion ist etwas, das immer in Bewegung ist und das insofern schon von vornherein mit etwas Körperlichem, mit etwas Physischem verbunden ist. Emotionen sind insofern auch ganz eng mit den Reaktionen des menschlichen Körpers in Verbindung. Emotionen sind körperlich spürbar, fühlbar und auch lokalisierbar. Das Glück beispielsweise durchströmt den ganzen Körper. Man kann das wirklich auf einer Wärmebildkamera sehen, dass der ganze Körper erfüllt ist, wenn ein Mensch glücklich ist. Und analog dazu kann man zum Beispiel sehen: Wenn Menschen Depressionen haben, dann wird der ganze Körper kälter, dann ist einfach weniger Wärme im Körper zu sehen, weniger Bewegung, weniger Energie.


Unabhängig davon, woher die verschiedenen Menschen kommen, unabhängig vom kulturellen oder sonstigen Hintergrund: Wenn Menschen mit bestimmten Gefühlsauslösern und Gefühlen konfrontiert werden, zeigen sie die gleichen Körperreaktionen bei der gleichen Emotion.



Jede Emotion ist an verschiedenen Stellen im Körper zu lokalisieren. Zum Beispiel aktiviert Freude den ganzen Körper, einschließlich der Fingerspitzen und Fußspitzen, insbesondere aber den Brustbereich und den Kopf. Liebe zeigt sich im Kopf, im Oberkörper und in der Körpermitte. Furcht aktiviert den Oberkörper und das Herz, während Ekel den Oberkörper, den Hals und den Kehlkopf aktiviert, da man sofort den Reiz hat, das Eklige loszuwerden. Die Basisemotionen manifestieren sich klar unterscheidbar im Körper.


Und ich habe das auch selber am eigenen Leib erfahren. Nicht mit Wärmebildkamera, sondern ich habe damals als Schauspielerin an einem Experiment teilgenommen vom Psychologischen Institut. Und zwar haben sie damals Proband:innen gesucht, die Gefühle gut darstellen können. Und wir Schauspieler:innen wurden dann mit Bewegungserfassungsmarkern versehen, in einem Verfahren namens Motion Capturing, um Bewegungen am Computer zu erfassen und menschliche Bewegungen auf 3D-Modelle zu übertragen. So wurde zum Beispiel, Gollum von Herr der Ringe damals aufgezeichnet, also eine 3D-Figur wurde mit Originalbewegungen eines echten Menschen am Computer animiert.


Und diese Studie, an der ich teilgenommen hatte, hat damals untersucht, wie sich die Gefühle auch im Körper zeigen. Und es war wirklich faszinierend: Man hat dann am Bildschirm tatsächlich nur diese Punkte, die an meinem Körper verknüpft gewesen sind, gesehen und nicht meinen Körper. Wir sollten alltägliche Handlungen ausführen wie laufen, hüpfen oder einen Ball werfen. Aufgezeichnet wurden wirklich nur die Punkte. Und man konnte dann bei der Trauer zum Beispiel Mitleid empfinden mit dieser Ansammlung von Punkten, die da einen Ball wirft oder durch die Gegend schleicht. Und so war man sofort in der Lage zu erkennen, welches Gefühl da gerade gezeigt wird, auch ohne dass man den Gesichtsausdruck gesehen hat, sondern einfach nur mithilfe der körperlichen Ausdrücke und Bewegungen. Es war wirklich faszinierend zu sehen, wie man mit der Hilfe von unseren Spiegelneuronen sofort erkennen konnte, was beim anderen los ist an Gefühlen.


Spiegelneuronen sind Nervenzellen, die im Grunde genau das imitieren, was sie sehen. Wenn ich jetzt zum Beispiel eine Hand sehe, die einen Löffel zum Mund führt, dann muss ich nicht mal den Mund sehen. Aber wenn ich den Anfang einer Bewegung sehe, vollziehe ich in meinem eigenen Gehirn die gleiche Bewegung und die dazugehörende Emotion nach. Sei es, dass mir dann selber das Wasser im Mund zusammenläuft oder dass ich selber an irgendetwas denke, was in den Mund kommen könnte usw.. Das sind total faszinierende Nervenzellen, die vor gar nicht so langer Zeit entdeckt wurden und die im Gehirn aktiviert werden, wenn man eine Handlung auch nur beobachte. Diese Nervenzellen zeigen, wie sehr wir soziale Wesen sind und wie sehr wir Menschen dafür gemacht sind, eigentlich in Gruppen zu leben und dafür angepasst sind, in der Gemeinschaft zu sein.


Das ist faszinierend, dass wir das auch sofort körperlich wahrnehmen können, was beim anderen los ist, dass wir körperlich wahrnehmen können, wenn sich zum Beispiel beim anderen die Brust zusammenzieht und die Hände ballen, und dass vielleicht auch der der Körper, der Kopf heißer wird, dass da offenbar irgendwie zum Beispiel eine große Wut in dem Gegenüber zu finden ist. Sobald wir solche körperlichen Muster sehen, können wir das in uns nachvollziehen, was da passiert. Und diese Spiegelneuronen sind die Grundlage dafür, dass wir in der Lage sind, Empathie zu empfinden und schnell zu erfassen, was in unserem Gegenüber vor sich geht. Und vielleicht merken wir das häufig gar nicht auf der bewussten Ebene, sondern eben auf der unbewussten Ebene. Dass wir wahrnehmen, irgendwie hat sich gerade die Stimmung verändert. Irgendwas ist da gerade los, auch wenn wir das im ersten Moment vielleicht noch gar nicht benennen können. Da kann es dann sein, dass wir eben kleine körperliche Veränderungen wahrgenommen haben, aber eben nicht mit unserem bewussten Verstand, sondern mithilfe unserer Spiegelneuronen, die intuitiv wissen, wo die wilden Gefühle wohnen.





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