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Seele, Geist und Häppchen - Manifestieren

Aktualisiert: 3. Apr. 2023

Die meisten, die sich in diesen Zeiten mit Coaching und Fragen der Persönlichkeitsentwicklung auseinandersetzen, haben schon mal was von Manifestation/Manifestieren gehört. Es gibt mittlerweile alles mögliche an Angeboten, was und wie man sich etwas manifestieren könne. Beispielsweise eine glückliche Beziehung, ein glückliches Händchen für Geld, ein Traumauto, einen Traumpartner.


Das Grundprinzip beim Manifestieren ist, dass ich mich möglichst intensiv und positiv auf etwas, was ich mir wünsche, was ich in meinem Leben haben möchte, ausrichte, und zwar hin zu dem, was ich will und am besten schon so agiere, als habe ich das bereits. Zum Beispiel handle ich so, als habe ich sehr viel Geld. Und wenn ich das konsequent und eine Zeit lang tue, dann ziehe ich durch das Gesetz der Anziehung Geld an. So weit in etwa die Theorie, wenn man das so nennen möchte.


Das Manifestieren funktioniert so, dass meine Wünsche dadurch wahr werden, dass ich positive Gedanken denke und meine Willensstärke darauf konzentriere, etwas wahr werden zu lassen und dadurch eine Energie, eine positive Energie in das Universum strahle. Und diese Schwingungen kommen dann wieder zu mir zurück, mit dem Erwünschten, durch das Gesetz der Anziehung. Das heißt, ich ziehe positive Dinge an, wenn ich selbst eben diese positiven Energien im Universum freisetze.


Wie gesagt, viele haben bereits von diesem Gesetz der Anziehung und der „Manifestationstheorie“ gehört. Es ist eine interessante Methode, weil es etwas ist, was in jedem guten Coaching und in jeder guten Arbeit zur Persönlichkeitsentwicklung, wichtig ist und zentral ist. Und zwar, dass ich mich auf etwas ausrichte, dass ich mir mein Ziel klar mache und mich auf mein Ziel konzentriere. Also in jedem Coaching, in jeder Arbeit mit Klientinnen und Klienten ist es wichtig, dass ich das Ziel erst mal definiere, damit ich weiß: „Was ist das Ziel?“, „Was ist vielleicht noch das Ziel dahinter?“, „Was ist mein großer Wunsch?“, und dann natürlich meine gesammelte Energie auf dieses Ziel hin ausrichte. In der Coaching-Szene und in dieser Szene der Manifestation, da wird der Tony Robbins-Satz "Energy flows where attention goes“ zum Mantra, das heißt, meine Energie geht dahin, wohin ich meine Aufmerksamkeit, meinen Fokus richte.

Und das ist selbstverständlich eine sinnvolle Sache, meinen Fokus dahin auszurichten, wo ich hin will. Wenn ich positive Gedanken denke, dann komme ich eher in eine positive Energie. Aus dieser positiven Energie heraus kann ich mir eher das erschaffen, was ich möchte. Also grundsätzlich geht es bei dem Gesetz der Anziehung darum, dass ich mich ausrichte auf mein Ziel. Und durch diese ganz klare Ausrichtung auf mein Ziel konditioniere ich mein Unterbewusstsein, mein Bewusstsein und entsprechend meine Gedanken, meine Gefühle, meine Handlungen darauf, dieses Ziel zu erreichen. Und durch meine Gedanken, Gefühle und Handlungen, die sich verändert haben, die sich positiv ausgerichtet haben, reagiert natürlich auch meine Umwelt, mein Umfeld entsprechend anders als zuvor, bevor ich mich ausgerichtet habe, bevor ich diese Klarheit im Zieldenken hatte.


Interessant wird es jetzt an dem Punkt, an dem ich noch einen Schritt weiter gehe. Die Manifestationsthese geht davon aus, dass das Universum immer unsere Wünsche erfülle, das heißt immer das, was wir an Energie aussenden, wird zurückgeschickt an uns. Wenn ich jetzt also Mist denke und mich deswegen energetisch hin zu etwas Unschönen ausrichte, dann passiert mir auch etwas Unschönes. Im Umkehrschluss bedeutet das natürlich, dass wenn mir etwas Ätzendes passiert, dass ich vorher meine Energie irgendwie in diese Richtung ausgerichtet haben muss. Ganz platt gesprochen. Und das finde ich an dieser Stelle mehr als problematisch, Denn da sind wir in einem Bereich, der wirklich haarscharf am Victim Blaming schrammt, wenn nicht sogar manchmal überschreitet. Und, wenn ich diesen Ansatz weiterdenke und eben nicht nur meinen privilegierten weißen mitteleuropäischen Horizont und Hintern betrachte, sondern über den Tellerrand hinaus gehe und mir andere Länder und andere Kulturen ansehe, dann sehe ich Menschen, deren größte Sorge es nicht ist, einen Traummann oder eine Traumfrau oder ein Traumauto Wirklichkeit werden zu lassen. Was ist beispielsweise bei der Frage, wenn ein Kind früh seine Mutter verliert? Hat sich dann das Kind dieses Schicksal manifestiert oder die Mutter? Oder wenn man überhaupt irgendeinen Menschen verliert? Wer hat sich dann das manifestiert?


Und wenn sich das jetzt beispielsweise die Mutter manifestiert hat, weil sie aus irgendeinem Grund nicht weiterleben wollte, was ist dann mit der Energie des Kindes? Hat das dann auch da mit rein gespielt? Also, wenn man das weiterdenkt und durchdenkt und auch daran denkt, dass es ganz viele Menschen gibt, die etwas erleben, das sie bestimmt nicht vorher so gedacht haben und bestimmt nicht vorher in Energieform so anziehen wollten oder so auch angezogen haben. Dann ist da an dieser Stelle die Manifestationsidee hochproblematisch aus meiner Sicht.


Was ich allerdings toll finde und hier auch an dieser Stelle wirklich propagieren möchte, ist, dass ich mich ausrichten muss nach meinem Ziel und dass ich wirklich Stück für Stück meine Ziele wahr werden lassen kann. Wenn ich mich danach ausrichte, wenn ich meine Gedanken, meine Gefühle, mein Handeln auf mein Ziel hin ausrichte. Denn natürlich: "Die Definition von Wahnsinn ist, immer das gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten." (Mutmaßlich Albert Einstein) Also, wenn ich mir vornehme, ein bestimmtes Ziel zu erreichen und mir dieses Ziel klar mache, mir visualisiere, mir deutlich mache und dann mich immer mehr darauf ausrichte und immer mehr auch kleine Anzeichen zu sehen, dass ich in die richtige Richtung unterwegs bin und auch diesen Prozess durch Gedankenarbeit, durch Gefühle, durch Handlungen immer mehr unterstütze. Dann bin ich in der richtigen Richtung unterwegs. Und das ist der Punkt, wo uns das Manifestationsdenken sehr helfen kann und sehr hilfreich sein kann. Und sehr sinnvoll ist, zu verstehen: Ich muss etwas anderes tun, um etwas anderes zu erreichen. Ich muss meine Ideenwelt öffnen für alles, was für diese Zielerreichung notwendig ist. An dieser Stelle ist die Manifestation aus meiner Perspektive hervorragend geeignet, um sich auszurichten auf Ziele, und um neue Dinge wahr werden zu lassen, entstehen zu lassen.


Und da gehe ich dann auch mit diesem energetischen Denken auch ein Stück weit mit, dass man das beeinflussen kann, mit welcher Energie man an Dinge herangeht, was dann wieder zurückkommt. Aber das alles, was mir in meinem Leben passiert, vorher mal ein energetischer Ausstoß war, der mir auf magische Weise wieder auf die Füße fällt, das finde ich mehr als problematisch und auch nicht schlüssig.






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