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Seele, Geist und Häppchen - Hypnosemythen

Aktualisiert: 3. Apr. 2023

Als ich neulich wieder einer Bekannten davon erzählt habe, dass ich im klinischer Hypnose ausgebildet bin, kam mal wieder ein Satz, den ich in dieser oder einer ähnlichen Form schon wirklich häufig gehört habe - eigentlich, seit ich mich mit der Hypnose befasse: "Das finde ich ja interessant und damit kann man ja ziemlich viel machen, das ist schon auch faszinierend, aber ich hätte da Angst vor dem Kontrollverlust."


Das hat mich dann darauf gebracht dass ich mich mal an dieser Stelle ausführlich zu den unterschiedlichsten Mythen und Missverständnissen rund um die Hypnose auseinandersetze.


Zuerst mal: Was bedeuten die Begriffe Trance und Hypnose?


Hypnose

Die Hypnose führt uns in einen hyperfokussierten, tiefenentspannten Zustand in dem wir einen leichteren Zugang zu unserem Unterbewusstsein erhalten. In der Hypnose lenken wir den Fokus von außen nach innen. Hyperfokussiert bedeutet, dass wir dazu in der Lage sind, uns extrem gut auf eine Sache zu konzentrieren, z.b auf innere Bilder, die wir in uns erzeugen. Die Hypnose muss nicht von jemand anderem angeleitet sein, es gibt die angeleitete Hypnose und Formen der Selbsthypnose. Selbsthypnose kann man durchführen, indem man sich selbst anleitet, in Trance zu gehen. Oder man betreibt Selbsthypnose, indem man sich eine aufgezeichnete aufgesprochene Hypnose von einem Hypnotiseur oder einer Hypnotiseurin anhört und in der Regel über Kopfhörer zu Gemüte führt.


Jetzt habe ich gesagt, dass jemand anderes einen in Hypnose leitet und bin schon beinahe wieder dabei, ein Missverständnis zu verfestigen. Denn genauso wenig, wie jemand anderes Gefühle "in mich hinein tun" kann, kann jemand anderes Hypnose "in mich hinein tun", wenn ich nicht offen dafür bin. Niemand kann gegen seinen Willen hypnotisiert werden. Daraus folgt auch, dass grundsätzlich alle gesunden Menschen in der Lage dazu sind, hypnotisiert zu werden bzw. sich selbst mit Hilfe der Anleitung von außen in Hypnose zu versetzen. Eine weitere Eigenschaft der Hypnose, die sie von Meditation beispielsweise unterscheidet, ist der Auftrag/die Zielgerichtetheit. Der Auftrag kann z.B. die Entspannung sein kann, aber auch sein, einen besseren Umgang mit Stressfaktoren für sich zu finden oder anders mit Ängsten umgehen zu können oder sich anders zu ernähren.


Trance:

Die Trance ist ein Bewusstseinszustand der Hyperfokussierung, also der außerordentlichen Konzentration auf eine Sache und gleichzeitigen Tiefenentspannung. Dieser Bewusstseinszustand wird von uns täglich erlebt. Menschen, die Auto fahren, erleben häufig eine Trance beim Fahren auf der Autobahn, in welcher der Fokus auf der Fahrbahn liegt und sich gleichzeitig ein Abschweifen und eine tiefe Entspannung breit machen kann. Einen Trancezustand, einen Zustand der sogenannten Alltagstrance erleben auch Kinder und können wir bei Kindern beobachten, wenn sie komplett ins Spiel vertieft sind und sich stundenlang mit einer Sache beschäftigen können, ob das malen ist oder einen Turm bauen oder im Wasser planschen. Bei dem sogenannten Flow-Erleben, beim künstlerischen Tätigsein oder beim Sport geraten wir auch in einen Trance-Zustand oder mindestens tranceähnlichen Zustand.


Hier die beliebtesten Hypnosemythen:

  • Ein verbreitetes Missverständnis ist es, dass die Hypnose einen schlafähnlichen Zustand darstellt (dieses Missverständnis spiegelt sich bereits in der Wortherkunft der Hypnose, abgeleitet von altgriechisch hypnos≈Schlaf).

  • Damit einhergehend ist das Missverständnis, dass die Hypnose das Bewusstsein gewissermaßen „ausschaltet“.

  • Der Irrtum, Menschen würden unter Hypnose Geheimnisse verraten, beruht auch auf dem Missverständnis, dass Hypnose mit der „Abschaltung“ des Bewusstseins gleichzusetzen ist und eine hypnotisierte Person in diesem veränderten Bewusstseinszustand keine Kontrolle über sich habe.

  • Ein weiteres Missverständnis, das sich dank der Showhypnose verbreitet hat, ist es, dass einige Menschen davon ausgehen, dass wir im Trance-Zustand zum Werkzeug der Hypnotiseur:innen werden, das heißt, dass wir in Trance gegen unseren freien Willen handeln, einfach da, wir (blind) den Aufforderung der Hypnotiseur:innen folgen.

  • Viele denken: „Ich (beliebige Person) bin nicht suggestibel/hypnotisierbar.“ Jeder Mensch, der sich auf den Prozess einlassen möchte, ist grundsätzlich dazu in der Lage.

  • Ein Missverständnis, das sich besonders dank der direktiven Hypnosetechniken verbreitet hat ist, dass nur gutgläubige oder schwache Menschen sich hypnotisieren lassen können. Es funktioniert bei allen, die es wollen.

  • Ein weiterer häufig verbreiteter Irrtum ist, dass nur tiefe Trancezustände für die therapeutische Arbeit geeignet seien. Jedoch können genauso wertvolle Veränderungsprozesse in leichteren oder mittleren Trancetiefen angestoßen werden, manchmal evtl. sogar leichter, da subtilere Methoden bei Menschen mit Widerständen gegen tiefe Trancen besser ansprechen können.

  • Noch eine Annahme, die mit der Wirklichkeit nicht korreliert: Dass man nicht mehr „zurück“ könne nach einer Hypnose. Normalerweise zählen die Therapeut:innen einen zurück; wenn das aus irgendeinem Grund nicht geschieht, kann man sich selbst zurückzählen oder ein Nickerchen machen. Spätestens nach dem aufwachen ist man wieder „voll da“.

Und wenn Ihr es selbst mal ausprobieren wollt: Ihr wisst ja, wo Ihr mich findet.





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