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Seele, Geist und Häppchen - Elternschaft und Persönlichkeitsentwicklung

Aktualisiert: 3. Apr. 2023

Elternschaft und Persönlichkeitsentwicklung. Scheinbar haben diese beiden Themen nicht soo viel miteinander zu tun. Aber da gibt es doch einige Dinge, die miteinander zusammenhängen. Dafür erzähle ich mal ein bisschen was Persönliches, was mit der Elternschaft bei mir passiert ist. Und ich denke, das geht auch ganz vielen Elternpersonen so... Und zwar bin ich, als ich Mutter geworden bin, auf einmal mit Anteilen, Seiten und Facetten von mir konfrontiert worden, die ich so nicht von mir kannte. Und das liegt an der Elternschaft, am Muttersein. Ich möchte Elternschaft und Mutterschaft im Übrigen weder idealisieren, noch abwerten, beides ist nicht zielführend. Ich möchte nur anreissen, was die Elternschaft mit einem macht. Und das liegt daran, dass es auf einmal mindestens einen Menschen gibt, der komplett abhängig von Dir und ggf. Deinem Partner, deiner Partnerin ist, und abhängig von der Tatsache, dass sich jemand um es kümmert. Und es gibt eine vollkommen neue Qualität der Beziehung in deinem Leben.


Eine Beziehung, die unter anderem dadurch gekennzeichnet ist, dass sie unkündbar ist. Denn egal, wie ich mich zu meinem Kind verhalte: Es bleibt immer mein Kind.


Elternschaft konfrontiert einen mit sich selbst. Und zwar dadurch, dass es einen Raum schafft, der keinen Ausweg möglich macht. Und durch dieses "Keinen-Ausweg-haben" wird man auf eine ausweglose Art mit den eigenen Gefühlen, mit dem eigenen Sein konfrontiert. Das ist es, was Mutterschaft oder Elternschaft so besonders macht. Ich kann nicht weg vom Elternsein. Natürlich kommt es auch drauf an, wie ich auch mein Mutter- oder Eltersein interpretiere und lebe. Aber häufig besteht Mutterschaft darin, dass es eine sehr große Nähe gibt zu diesem Wesen, was Du auf irgendeine Weise dein Kind nennen darfst und der Tatsache, dass Du auf einmal Seiten an Dir kennenlernst, von denen du gar nicht wusstest, dass Du sie hast. Und damit meine ich zum Beispiel ganz konkret so etwas wie Wut. Oder Traurigkeit. Oder Schuldgefühle...


Wir leben in einer Kultur, in der das Verdrängen und Verleugnen von Gefühlen häufig idealisiert wird. Also mit Gefühlen so umzugehen, dass sie vielleicht mal benannt werden, aber nicht wirklich gefühlt und bearbeitet. Es wird eher ungern gesehen, dass man sich in der Öffentlichkeit mit Gefühlen zeigt. Und mit seiner Verletzlichkeit und mit seiner, ja, Identität als fühlendes Wesen. Und diese Tatsache führt dazu, dass wir es nicht gewohnt sind, so krass mit dem eigenen Fühlen konfrontiert zu werden, weil wir lernen, zumindest in unserer westlichen Bubble, dass dort Gefühle ab und zu mal benannt werden, aber nicht gelebt und gezeigt. Zum Glück wird ja auch mehr und mehr akzeptiert, dass man zum zu einem Psychologen, Psychiater, oder Mentalcoach geht und auch jemand anderen draufschauen und teilhaben lässt an den eigenen psychischen Herausforderungen und an den eigenen Gefühlen.

Aber dennoch: Wenn wir auf den Berufs- und Arbeitskontext schauen, wenn man jetzt nicht unbedingt eben Psychiater, Psychologe, Coach, Berater oder ist, ist es absolut verpönt, zu weinen, sich verletzlich zu zeigen oder in einer untergeordneten Position auch wütend zu sein. Übergeordneten Positionen, der Chef:innen-Position ist es vorbehalten, auch wütend sein zu dürfen. Wer untergeordnet ist, dem ist eher nicht erlaubt, wütend zu sein, aber traurig sein, das ist eher möglich, wenn man in einer untergeordneten Position sich befindet, aber eigentlich fast gar nicht in einer Chefposition.


Und in dieser Konstellation, in dieser Gesellschaft, in der wir sind, ist es eben etwas ganz Besonderes, dass es auf einmal einen Raum gibt, ein neues Leben für Dich gibt, in dem Gefühle eine riesen Rolle spielen. Und zwar Gefühle, die Du Dir nicht angeschaut hast, Deine eigenen Gefühle, die auf einmal da sind, also *scheinbar* auf einmal da sind und Dich zu überrollen scheinen. Und nicht nur Deine Gefühle, sondern auch die Gefühle von diesem anderen Wesen, das komplett von Dir abhängig ist und komplett darauf angewiesen ist, dass Du einigermaßen adäquat damit umgehen kannst. Und diese besondere Konstellation macht Mutterschaft aus meiner Sicht zu einer riesen Herausforderung der modernen Gesellschaft. Aber nicht, weil Mutterschaft so problematisch ist, sondern weil das System so problematisch ist, in dem Gefühle eine derart untergeordnete Rolle spielen, dass ihnen eben kein Raum zum Zeigen, zum Dasein, zum Durchleben Durchfühlen, Durchdenken, Durchhandeln gegeben wird.


Natürlich muss ich aufpassen, wenn ich Gefühle habe, die extrem nach außen gerichtet sind, wie zum Beispiel Wut, dass ich dann nicht anderen gegenüber übergriffig werde. Aber. das ist das Paradoxe, diese Übergriffigkeit findet eigentlich deswegen statt, weil wir es gewohnt sind, die ganze Zeit den Deckel drauf zu halten. Und darum passiert es eben häufig im Zusammenhang mit der Elternschaft, dass wir auf einmal ausrasten. Weil wir es gewohnt sind, den Gefühlen auszuweichen. Und das geht nicht unendlich mit Kind. Weil Kinder wollen uns "in echt". Und sie brauchen uns auch "in echt". So wie sie sich abgucken, wie man mit Messer und Gabel isst, gucken sich Kinder auch ab, wie wir das mit den Gefühlen machen. Und wenn sie uns die ganze Zeit zugucken, wie wir Gefühle wegdrücken, auch wenn sie das natürlich nicht so sagen können oder würden, dann nehmen sie das wahr. Und sie spüren gleichzeitig, dass das nicht "echt" ist und nehmen wahr, dass es offensichtlich irgendetwas Brodelndes in uns gibt, was nicht rauskommt. Und sie wollen wissen, wie es eigentlich wirklich um uns steht.


Und da sind wir eben bei dem Teil der Mutterschaft, der zu einem Katalysator werden kann in Hinblick auf die Persönlichkeitsentwicklung. Und so ist es mir zum Beispiel ergangen. Ich bin wirklich durch die Mutterschaft in die Coaching-Szene gestolpert, weil ich das nicht alles alleine können wollte. Und außerdem will ich vielleicht auch gar nicht so Eltern sein, wie es eben die Elterngeneration vor uns gewesen ist. Und so katapultiert einen diese Mutterschaft oder dieses Elternsein einfach ratzfatz in die Persönlichkeitsentwicklung. Auf eine Weise, die, die auch eine große Intensität hat. Weil. Wir. Schmerz empfinden. Wir empfinden Schmerz, wenn wir sehen, wie unsere Kinder Schmerzen haben. Und wir empfinden Schmerz, wenn wir sehen, dass wir selber keinen guten Umgang mit unseren Gefühlen haben.


Elternschaft ist nicht nur bei der Geburt, sondern auch die ganze Zeit mit Schmerzen verbunden. Und Veränderung entsteht dann, wenn der Schmerz größer ist als die Angst. Diese Schmerzen sind auch Wachstumsschmerzen. Ich sage immer, ich habe gleichzeitig Wachstumsschmerzen wie meine Tochter. Weil ich auch so viel zu wachsen habe. Ich habe viel zu lernen in diesem Leben und durch dieses Leben und durch die Art und Weise, wie ich Mutter sein möchte. Ich möchte eben nicht die Mutter sein, die unterdrückt, wegdrückt und ihre eigenen Gefühle nicht wahrnimmt, sondern ich möchte, wie Du wahrscheinlich auch, ein Eltern sein, das authentisch ist, das zu sich steht, zu seinen Gefühlen steht. Und auch in der Lage ist, die eigenen Gefühle auszuhalten. Und die Gefühle des Kindes oder der Kinder auszuhalten. Und so bin ich dazu gekommen, mich selbst coachen zu lassen und im Anschluss eine Coach-Ausbildung zu machen. So bin ich dazu gekommen, auch wieder mehr mit der Hypnose zu arbeiten, die mich schon in vielen herausfordernden Situationen meines Lebens erfolgreich begleitet hat und dann letzten Endes auch eine Hypnose-Ausbildung zu machen, so dass ich jetzt das Gefühl habe, nicht nur mir helfen zu können und geholfen zu haben, sondern jetzt auch in der Lage bin, anderen zu helfen, ihre Gefühle zu fühlen, auszuhalten und vielleicht sogar mögen zu lernen.




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